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EIN STÜCK VOM NEUEN LEBEN

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Das alte Leben zu verlassen, um ein neues zu gestalten, bedeutet nicht, sofort einen allumfänglichen Entwurf zu haben, der es mir ermöglichen würde, naht- und sorgenlos in eine erfrischende Freiheit einzutauchen. Das alte Leben ist nicht fort, denn die Erziehung einer Leistungsgesellschaft prägt noch heute meine Gedanken. Ihr jahrelanger Drill zur stillen Folgsamkeit verursacht auf meinem Weg in die Freiheit so manch flaues Gefühl des Ausgestoßenseins, da ich mich ihrer Gesellschaft verweigere. Ihre Warnungen vor den Konsequenzen meines Drangs zur Freiheit hallen immer wieder in meinen Ohren. Und doch hält mich nichts zurück.

Eine pure Verweigerung von alledem, was ich aus dem alten Leben kenne, ließe mich im neuen Leben passiv zurück. Die Chance zur Gestaltung bleibe mir verwehrt. Aber ist die unreflektierte Übernahme aller Argumente des digitalen Nomadentums ein passender Gegenentwurf? Um was geht es in diesem Entwurf eigentlich?

DNX berlin

Die vergangene “Digitale Nomadenkonferenz” (DNX), die letztes Wochenende in Berlin stattfand, hatte für mich Antworten, Gedanken und jede Menge Gefühle. Ich war dort, um zu erfahren, wie es mit der Freiheit für mich weitergeht, wie andere mit ihr leben und ob sich das angepriesene Gefühl des Glücklichseins so mühelos allein dadurch einstellt, dass man ortsunabhängig arbeitet.

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Ich war beeindruckt, denn diese Konferenz war nicht vergleichbar mit dem, die ich bisher kannte. Angefangen von den Pre- events “Pedal the World”, dem Frühstück und dem abendlichen Networking im Betahaus war alles getränkt mit dem Flair von Aufbruch, Freiheit und Selbstbestimmung.

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Die vielen Kontakte, die ich im Laufe der Veranstaltung fast mühelos aufbaute, gaben einen Vorgeschmack auf das, was gerade im Rahmen meiner Arbeit für Kiezpopcorn an Eigendynamik gewinnt. Das, was mir die Konferenz gab, war vor allem eins:  eine tiefe Überzeugung darin, auf den richtigen Pfaden zu gehen und diese Pfade selbst gestalten zu müssen, da jede/r seine/n eigenen hat. Würde ich ein Modell eines anderen übernehmen und das machen, was viele machen, wäre ich wieder folgsam, wäre ich eingeengt in einem Rahmen und nicht mehr frei.

Das digitale Nomadentum ist eine Werkzeugkiste voll mit Modulen für ein ortsunabhängiges Arbeiten und Leben. Die Geisel der Leistungsgesellschaft lauert auch hier, in Vorträgen erfolgreicher Nomaden. Die Freiheit darin muss ich selbst finden und für mich definieren, denn sie ist ein mentaler, höchst individueller Zustand. Es gibt keinen fertigen Lifestyle, keine Anleitung zum Frei- sein und kein Konzept. So gehe ich mit dem Gedanken aus der Konferenz, an meinem Neuentwurf noch ein gutes Stück bauen zu müssen. Und im August zur DNX Global komme ich wieder und bin gespannt, welche Erkenntnis diesmal auf mich wartet.

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To leave the old life to make a new, does not mean to have a comprehensive design that would enable me to seamlessly and carefree dive into a refreshing freedom. The old life is gone, because the education of a meritocracy still dominates my thoughts. The years of drills to silent obedience caused on my way to freedom a sinking feeling of an outcast because I reject their society. The warnings about the consequences of my urge for freedom resound again in my ears. Yet nothing holding me back.

A pure denial of all that I know from the old life, let myself in new life back passively. The chance to design my stay denied. But is the unquestioned assumption of all arguments of digital nomadism a matching design? What is it in this design anyway?

Past “Digital Nomads Conference” (DNX), which was held last weekend in Berlin, had answers for me, thought and a lot of emotions. I was there to see how it goes on with the freedom to me how others live with it and whether the advertised feeling of happiness so easily simply by setting that you work from anywhere.

The many contacts that I built almost effortlessly in the course of the event, gave a foretaste of what is currently gaining momentum in my work for Kiezpopcorn. What gave me the conference was primarily one thing: a deep conviction in going on the right path and having to make even these paths, because everyone has its own. Would I accept a model of another, and do what many do, I would be obedient again, I would be concentrated in a frame and no longer free.

The digital nomadism is a tool box full of modules for a location-independent working and living. The scourge of meritocracy lurks here in lectures successful nomads. The freedom I have to find on myself and define for me because it is a mental, highly individual condition. There is no finished lifestyle, be a guide to outdoor and no concept. So I went from the conference with the idea to build up my redesign with many work. And in August for DNX Global I’ll be back and I’m excited to see what insight this time waiting for me.

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