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TINY IDLENESS WITH DELICACIES | BERLIN

dt|engl

Die schweren Bücher über Baubionik, Design und Architektur rutschen in meinem Rucksack hin und her während ich kräftig in die Pedale meines Fahrrades trete. Das wechselhafte Wetter eines unausgeglichenen Sommers hier in Berlin macht mir gerade ein wenig zu schaffen. Zwischen dunklen und schweren Wolken und ordentliche Gegenwind gibt es an manchen Tagen Lücken voll Sonne, die mich sofort nach draußen locken. Die Sonne auf meine Haut kann gar nicht genug warm sein. Auftanken zwischen drückender Schwere.

Auftanken ist auch auf solch wunderbaren Abenden möglich wie auf ein Treffen mit anderen Menschen der schreibenden Zunft. Als ich mein Fahrrad vor dem art’otel in Berlin Mitte abstelle, kribbelt die Vorfreude auf unglaublich gutes Essen in meiner Magengegend. Ich wusste noch vom letzten Mal, dass der Abend nur wunderbar werden kann, da das Essen, serviert in kleinen und feinen Portionen unglaublich gut ist. Als ich am Tisch bei den anderen nach einem kleinen Rundgang im Hotel Platz nehme, entspannt sich langsam mein Körper. Meine Schultern werden locker und nach dem ersten Glas Wein kann ich auch schon wieder lächeln.

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Ich muss mich bei der Vorspeise bremsen. Die feinen Aromen des selbstgemachten Hummus, der unglaublich guten Oliven und das frische knusprige Brot vernebeln mein Kontrollzentrum. Ich kämpfe gegen die Lust zu naschen und die verschiedensten Kombinationen auszutesten, um nicht gleich bei der Vorspeise satt zu sein. Ich merke wie es mir gut tut, netten Gespräche bei sehr gutem Wein und leckerem Essen zu führen und einfach nur zu genießen. Langsam komme ich im Müßiggang an, meine Gedanken hören auf zu kreisen und mein Körper will nicht ständig irgendetwas tun, aus dem bloßen Gefühl heraus, produktiv sein zu müssen.

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Der momentane Druck ist enorm. Denn ich spüre den Anspruch, den mein Tiny House an mein Umfeld und an mich herangetragen hat. Durch die hochwertige Bauweise ist es unmöglich, ein System hineinzubauen, das keine hohe Qualität an Design und Ingenieursleistung aufweist. Mit der hochwertigen Handarbeit am Tiny House ist der Druck eingezogen. Und das bedeutet, sich nicht mit dem erstbesten Entwurf zufrieden zu geben sondern immer weiter nach Raffinessen zu suchen, die die Konstruktion des Grauwassersystems zu etwas Besonderem machen. Interessanterweise kann ich mir gar nichts anderes mehr vorstellen.

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Als die Nachspeise kommt, muss ich schmunzeln, da meine Gedanken an die Unmöglichkeit von einfachen Ingenieursarbeiten zum Essen passt. Das Einfache ist keineswegs etwas Schlechtes, nur eben ein anderer Anspruch an Leistung und Leben. Ich frage mich, ob dieser Anspruch mit dem Wunsch nach dem “Guten Leben” kollidiert oder sich darin eigentlich findet. Der hohe Anspruch in meinem Sein ist eine Anforderung an Qualität und nicht Quantität. Das Streben nach einem Mehr in der Menge entspricht nicht meinen Vorstellungen, da es vor allem ein Produkt unserer konsumorientierten Welt ist. Wir streben nicht mehr nach Inhalt sondern nach Masse – in Beziehungen, im Essen, bei der Arbeit. Mein minimalistischer Stil drückt sich also nicht in der Reduktion von Qualität aus sondern in der Reduktion von Überflüssigem. Wie die kleinen zauberhaften Portionen voller Genuß, zu denen ich mich gerade beuge. Als ein Stück des warmen Brownie mit flüßigem Kern in meinem Mund verschwindet, lasse ich mich glucksend an meine Lehne zurückfallen. Ja, der Minimalismus hat schon was.

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ENGLISH

The heavy books about bionics, design and architecture slide back and forth in my backpack while I tread hard in the pedals of my bike. The changeable weather of an unbalanced summer here in Berlin makes me just a little bit crazy. Between dark and heavy clouds and ordinary headwinds are some days full of sun, which lure me out immediately. The sun on my skin can’t be warm enough. Refueling between oppressive severity.

Refuelling is also possible on such wonderful evenings like on this meeting with other people of the Writing Guild. When I place my bike in front of the Art’otel in Berlin Mitte tingling the anticipation of incredibly good food in my stomach area. I knew from last time that the evening can only be wonderful, because the food, served in small and fine portions is incredibly good. When I sit at the table with the others after a little walk in the hotel, my body began slowly to relax. My shoulders become soft and after the first glass of wine I can smile again.

I have to stop during the aperitif. The fine aromas of the homemade hummus, the incredibly good olives and the fresh crispy bread will obscure my control center. I struggle against the desire to nibble and test the various combinations, not to be fed up with the aperitif. I notice how good it’s to keep nice conversations with very good wine and delicious food and just enjoy. Slowly I arrive in idleness, my thoughts stop circling and my body doesn’t want to do anything constantly, only because the feeling of having to be productive.

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The current pressure is enormous. Because I feel the claim that my tiny house has brought to my environment and to me. The high-quality architecture makes it impossible to build a system that doesn’t have a high quality of design and engineering work. With the high quality craftsmanship of the tiny house the pressure is drawn in. And that means not to be satisfied with the first best design, but always to look for refinements that make the construction of the grey water system special. Interestingly I can’t imagine anything else.

When the dessert comes I began to smile because my thoughts about the impossibility of simple engineering work are direct connected to the great food. The simple is by meaning not a bad thing, just a different claim in performance and life. I wonder whether this claim collides with the search for the “good life” or could actually finds itself in it. The high claim in my being is a requirement of quality and not quantity. Striving for more in the amount doesn’t correspond to my ideas, because it’s a product of our consumer-oriented world. We no longer strive for content, but for the mass in relationships, in food, at work. So my minimalist thinking doesn’t express itself in the reduction of quality but in the reduction of superfluous to have a wide space. Like the little enchanting portions full of pleasure. As a piece of the warm brownie with liquid core disappears in my mouth, I let happy fall me back to my backrest. Yes, minimalism has something special.

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