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RESÜMEE TINY LIVING | BERLIN KREUZBERG

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Weihnachten liegt hinter mir. Silvester auch. Irgendwie waren es seltsame Tage – völlig entfremdet von konventionellen Gepflogenheiten gab es bei mir weder Gans noch Weihnachtseinkäufe, weder Weihnachtsmarkt noch Streitereien mit der Familie. Ich mag auch keine lauten Geräusche und Partygedrängel, so dass es herrlich still und ruhig war. Außerhalb von dem, was muss, war ich im Hier und Jetzt. Ich besinne mich am Silvesterabend an die Zeit im Tiny100 und viele weitere Ereignisse, die im Jahr 2016 die Weichen für 2017 stellten. Nun ist es da, das Jahr 2017 und nichts fühlt sich anders an als noch am Silvesterabend.

Ein paar Tage Tiny living waren vollkommen schräg. Im Winter ist das Leben im Tiny house ohne eine externe Versorgung mit Wasser und Wärme eine besondere Herausforderung, weil ich mehr organisieren musste. Wenn ich vergessen hätte Holz für den Ofen zu holen, wäre es unglaublich kalt geblieben. Wie kalt konnte ich jeden Morgen ahnen, wenn ich aus meinem Schlafsack gekrabbelt war und erstmal den Ofen anfeuerte. So romantisch ein Ofen sein kann, wenn das Holz wohlig knistert und den Raum aufheizt, so unannehmlich ist es, wenn er nicht läuft. Mir fällt auf wie selbstverständlich wir die Versorgung mit dem Notwendigen auf jemand anderen abwälzen und nicht einmal darüber nachdenken wie abhängig uns diese Verlagerung macht. Stellen die Wasserwerke ihre Versorgung ein, haben wir in einer normalen Mietwohnung kein Wasser und wissen wahrscheinlich nicht einmal wo oder wie wir an sauberes Trinkwasser gelangen.

Im Tiny100 lebte es sich auf 6,4qm sehr beengt. Manches muss noch ein wenig besser auf das Leben dort angepasst werden. Obwohl der Tisch und das Sofa klein waren und die Raumaufteilung gut durchdacht, gab es noch ungenutzten Raum, der woanders fehlte. An manchen Stellen war es beengt und überfüllt, an anderen wiederum blieb der Platz ungenutzt. Im Bad ist der Raum unter der Dusche ungenutzt, wenn nicht geduscht wird, während gleichzeitig der Raum um die Toilette mit dem Waschbecken viel zu beengt und unpraktisch war. Eine Umstrukturierung (was ist wo) und eine Anpassung des Designs von vorhandenem Interior (andere Formen und Größen, Kombination) ist zwingend notwendig, um das Leben auf solch kleinem Raum komfortabler zu machen.

Ebenso nutzte ich immer weniger den oberen Bereich zum Arbeiten, da das Rauf und Runter auf der Leiter nach ein paar Mal ein wenig nervig war. So bleib der reichliche Platz doch eher ungenutzt, wenn ich nicht oben schlief. Gleichzeitig war der Raum für die Küche zu wenig. Ich war viel damit beschäftigt die Dinge hin und her zu räumen, wenn ich Mahlzeiten zubereitete, zu mir nahm und Kaffee kochte. Die Küche nutze ich doch öfter als gedacht und selbst als Minimalist brauche ich gut durchdachte Räume und Handgriffe, wenn ich auf solch kleinem Raum leben möchte.

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Das sind jedoch nur Kleinigkeiten, wenn ich im Gegenzug über das nachdenke, was es mir gibt: Freiheit. Wenn ich nur 100€ Miete zahlen muss, benötige ich weniger Zeit für das Zusammentragen von Geld, mit dem ich die Miete bezahlen kann. Ich muss nicht so viel Zeit damit verschwenden, Geld mit einer Arbeit zu verdienen, die mich nicht unbedingt erfreut. Bei den derzeitigen Mietpreisen muss oft die Hälfte oder mehr vom Lohn bezahlt werden und die Verhältnisse verschlechtern sich zusehends. Während die Lebenshaltungskosten rapide steigen, immer mehr Menschen verdrängt werden, bleiben Lohn und Sozialleistungen hinter dem zurück. Haben wir die Möglichkeit, weniger Miete zu bezahlen und können uns solchen Bedingungen anpassen, haben wir die Chance auf eine Kehrtwende. Aber nur dann, wenn die Mieten für kleine Wohnungen auf diesem Niveau bleiben und sich der Kapitalismus diese Speise nicht auch noch einverleibt.

Die Atmosphäre, die solch ein Tiny living zaubert, ist darüber hinaus einzigartig. Morgens beim Frühstück am Tisch zu sitzen und direkt hinaus schauen zu können, ist unvergleichlich. Oder beim Arbeiten den Blick in der Weite zu verlieren, die das Fenster zu verschenken hat. Wenn man mit Freunden abends vor dem knackenden Feuer sitzt und erzählt, entsteht der Zauber einer unvergesslichen Zeit. Tiny Living gibt die Möglichkeit, genügsam zu sein und das Kleine zu schätzen, Wertvolles zu erhalten und zu entdecken, was man eigentlich alles gar nicht braucht und was besonders wichtig ist. Tiny Living reduziert das Leben auf das Wesentliche.

Mit der Zeit findet man beim Leben auf kleinem Raum in einen Takt. Wenn man um die Bedingungen weiß, fängt man an, sich Gedanken darum zu machen, was einem zur Verfügung steht. In einem selbst liegt der Schlüssel darin verborgen, wieviel 6,4qm letztendlich wirklich sind. Wenn ich mich an den Unannehmlichkeiten nur reibe und an keinen Lösungen arbeite, werde ich schnell die 6,4qm als nicht hinnehmbar empfinden. Beteilige ich mich aktiv und gestalte meine Umgebung, finde ich immer das Schöne und das, was es mir gibt. Ich kann den Reichtum darin entdecken. Der Umgang mit 6,4qm bringen sehr schnell den wahren Kern eines Menschen hervor. Wie gehe ich mit dem um, was ich zur Verfügung habe? Sehe ich es als Geschenk? Als Chance und Erfahrung? Als Raum voller Möglichkeiten? Oder übermannt mich das Gefühl, den Dingen passiv ausgeliefert zu sein?

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Wenn ich an diese Zeit denke, sehe ich einige Herausforderungen, die mir nicht unlösbar erscheinen. Wäre das Tiny100 mein zukünftiges Zuhause, würde ich ein Blatt Papier, Hammer und Säge hervorholen und Ideen entwickeln, mit denen ich den Herausforderungen begegnen kann. Es gibt ein Bild, das sehr gut mein Resümee einfangen kann: ich sitze vor dem offenen Holzofen, in dem das verbrennende Holz eine wunderbare Atmosphäre für das ganze Haus zaubert. Vor mir liegt ein Bogen Papier, auf dem ich über Ideen nachdenke, die mir an jenen Stellen das Leben erleichtern. Und bei allem trage ich ein kleines Lächeln im Gesicht und tanze zu Vivaldi durch den Raum.

ENGLISH

The Christmas time lies behind me. New Year’s Eves also. Anyhow these were strange days – completely maladjustedly from conventional there was neither goose nor Christmas shopping, neither Christmas market nor argue with the family. I don’t like noises and party so that it was delightfully quiet. Outside from that what has to go I was in Here and Now. I reflect in the New Year’s Eve evening the time in the Tiny100 and many other events which paved in 2016 the way for 2017. Now it’s 2017 and nothing differently feels than still in the New Year’s Eve evening.

A few days of Tiny living were completely sloping. In winter the life in the Tiny house without external care with water and warmth is a special challenge because I had to organise more. If I had forgotten wood to get for the stove, it would have incredibly remained cold. How coldly I could anticipate every morning if I had crept from my sleeping bag and fired first the stove. So romantically a stove can be if the wood crackles pleasantly and heats the space, thus it’s unpleasantly if it doesn’t run. I notice how it’s normal to give the care for the necessary on someone else and even don’t think how we dependent on this misalignment. If the water company don’t work anymore we have in a normal flat no water and probably not even know where or how we reach to clean drinking water.

In the Tiny100 I lived on 6.4 sqm very much cramped. Something must be still adapted a little better on the life there. Although the table and the sofa were small and the room layout well thought-out, there was still an unused space which was absent somewhere else. At some places it was restrained and overcrowded, in others again the place remained unused. In the bath the space is unused under the shower if you don’t take a shower during the same time space was restrained around the toilet with the wash basin and impractical. A restructuring (what is where) and an adaptation of the design of available Interior (other forms and dimensions, combination) is necessary compelling to make the life on such small space more comfortable.

Also I used less and less the upper area for the work because the up and down on the leader was a little irritating after a few times. Thus remain the plentiful place, nevertheless, rather unused if I slept not on top. The space for the kitchen was concurrent not enough. I clear up a lot the things I used to prepared meals, to eat and cooked coffee. I use the kitchen more often than expected and also as a minimalist I need well thought-out rooms and handles if I liked to live on such small space.

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Nevertheless, these are only little things if I think as a countermove about this what there is to me: Freedom. If I must pay only 100€ for rent I need less time for gathering of money with which I can pay the rent. I must not waste so much time to earn money with a work which pleases not necessarily me. At this time the rent prices are half or more of the salary and the relations get worse visibly. While the cost of living rises rapidly, more and more people are edged out, stay behind wage and social benefits behind this. If we have the possibility to pay less rent and can adapt us to such conditions, we have the chance of a turn. But only if the rents remain for small flats at this level and capitalism still doesn’t annex to itself this food.

In addition the atmosphere which conjures such a tiny living is unique. To sit in the morning with the breakfast at the table and to be able to look directly out, is incomparable. Or to lose the look in the width which has to give by the window during the work. If you sit with friends in the evening in front of the cracking fire and talk, the magic of an unforgettable time originates. Tiny living gives the possibility to be undemanding and to estimate the little one, to receive valuable and to discover what you don’t need and what is especially important. Tiny living reduces the life to the essentials.

With the time you come with the life in a small space in a tact. If you know the conditions you start thinking to yourself about what’s available to you. The key lies in the perception how many 6.4 square metres are real at last. If I only rub myself against the incommodities and work on no solutions, I will not feel fast 6.4 square metres as acceptable. If I take part actively and form my surroundings, I always find the beauty and that what there is to me. I can discover the wealth in it. The contact with 6.4 square metres produce very fast the true core of a person. How do I handle with what I have at disposal? Do I see it as a present? As a chance and experience? As a space of full possibilities? Or does overcome me the feeling to be delivered passively to the things?

If I think of this time I see some challenges which seem to me not insoluble. If the Tiny100 would be my future home I would bring out a sheet of paper, hammer and saw and develop ideas with which I can accept the challenges. There is a picture which can catch very well my summary: I sit before the open wooden stove in which the burning wood conjures a miraculous atmosphere for the whole house. Before me lies a curve paper on which I create ideas which make the life easier to me at those places. And I carry on all a small smile in the face and dance to Vivaldi through the space.

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