unfornetto_06

THE CURVATURE OF TIME | BERLIN

dt/ engl

Ich habe bestanden – eine Prüfung, die meine Unabhängigkeit noch weiter voranbringt und mich freier macht. Mein Tiny House gibt mir schon viel davon – mit einem Führerschein, mit dem ich mein Tiny House selbst von A nach B transportieren kann, bin ich Meilen voraus. Ich hatte mich trotz des rauen Wetters auf den Weg zu einem langen ziellosen Spaziergang, gutem Essen und Nichtstun gemacht.  Es war Zeit für ein Geschenk an mich, an die Zeit, die nun neu gerechnet wird.

Wenn wir uns für ein Übermorgen im Jetzt quälen, in der Hoffnung auf bessere Zeiten, vergessen wir, dankbar und ehrfürchtig für das zu sein, was wir heute besitzen und genießen können. “So trägt uns im Alltag eines glanzlosen Lebens die Zeit. … Wir leben auf die Zukunft hin.” ist ein Zitat Albert Camus, das mich durch die Strassen Berlins hinweg beschäftigt, denn ich musste an die drei Monate denken, in denen ich vom Reisen mit meinem Tiny House an die Strände der Welt träumte. Die Strassen sind mit dem Näherrücken von Weihnachten leerer geworden und drücken all jenes Getrieben- und Leersein aus, das den Menschen innewohnt. Die Freude am Hier und Jetzt verglüht zwischen den Anforderungen eines Seins. Noch beim Essen am festlichen Tisch denken wir an Neujahr, an die nächsten Vorbereitungen und an die Tage nach dem Urlaub.

Berlin tiny houseBerlin tiny house

Das warme Licht einer kleinen, gemütlichen Focacceria in der Nähe des Kollwitzplatzes im Prenzlauer Berg unterbrach meine Gedanken und lud mich ein, zu bleiben. Sie sollte für die nächsten Stunden zu einem ganz besonderen Ort voller Überraschungen und wundervollen Begegnungen werden, wie sie mir die Zeit nicht hätte schöner schenken können. Wie in einem Zeitloch verschwand ich in Genuß und Freude und tauchte erst Stunden später wieder auf.

Zwischen sehr alten Liedern Roberto Murolo’s gesellten sich zwei kleine, sehr private Live Konzerte, deren Spontanität und Qualität mich sprachlos machten. Mitten in Berlin. Mitten am Tag, in einer kleinen Seitenstrasse waren vier Menschen, die sich vorher kaum kannten, zusammen in dieser kleinen schönen Focacceria und genoßen, spielten und sangen italienische und amerikanische Lieder, redeten, aßen und zelebrierten so die Schönheit der Zeit. Ein schöneres Geschenk hätte ich kaum entgegen nehmen können. Ettore, Alina und Gann krümmten für mich den Raum in der Zeit und ich kümmerte mich nicht um ein Morgen oder Übermorgen. So fühlt sich Zeitlosigkeit an und zeigt, wie das Morgen in Gedanken noch weit weg sein kann.

Berlin tiny houseBerlin tiny house

ENGLISH

I have passed – an examination that pushes my independence and make me more free. My tiny house already gives me a lot of it – with a driver’s license that allows me to transport my tiny house from A to B, I’m ahead of miles. Despite the rough weather I went on a walk to a long, aimlessly way, good food and idleness. It was time for a gift to me, the time that is now being recalculated.

If we stress ourselves for a day after tomorrow in the hope of better times, we forget to be thankful and reverent for what we now own and enjoy. “Thus, in the everyday life of a lackluster life, we are carried by the time. … We live for the future. ” is a quote from Albert Camus, who has been working in my mind on the way through the streets of Berlin, because I had to think about the three months when I dreamed of traveling with my tiny house to the beaches of the world. The streets are emptied with the nearer of Christmas and express all those restlessness and emptyness that are deep inside of the people . The joy of the here and now burns between the demands of being. During the dinner at the festive table we think of New Year’s Eve, the next preparations and the days after the holiday.

The warm light of a small, cosy Focacceria near the Kollwitzplatzes in Prenzlauer Berg interrupted my thoughts and invited me to stay. For the next few hours it should become a very special place full of surprises and wonderful encounters, as it could not have given me the time more beautiful. Like in a time slot, I vanished into pleasure and joy and reappeared only hours later.

Berlin tiny houseBerlin tiny house

Very old songs Roberto Murolo’s were joined by two small, very private live concerts, whose spontaneity and quality made me speechless. In the middle of Berlin. In the middle of the day, in a small side street, four people who had scarcely knew each other, stayed together in this little beautiful Focacceria and enjoyed, played and sang Italian and American songs, talked, ate and celebrated the beauty of the time. I would hardly have been able to accept a more beautiful gift. Ettore, Alina and Gann humped for me the room in time and I didn’t care about the morning or the day after tomorrow. So it feels timelessness and shows how the morning can be far away.

Berlin tiny house

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